Neue Serie: Stimmen aus der German Church School

Wir fragen nach und Mitarbeiter*innen, Schüler*innen und Student*innen der GCS antworten: „So erleben wir Corona in Äthiopien und in der German Church School …“. Heute: Rahel Moisisa, Schulsozialarbeiterin an der German Church School und Sirak Misiker, Student.

Rahel Moisisa arbeitet seit vielen Jahren als Schulsozialarbeiterin für die German Church School. Sie besonders kennt die Schüler*innen und ihre Familien und erlebt deren soziale, wirtschaftliche und psychische Belastungen und Schwierigkeiten jeden Tag. Die Folgen der Corona-Pandemie stellen sie nun vor zusätzliche Herausforderungen. Nachfolgend der englische Orginaltext von Rahel Moisisa, Übertragung von Barbara Reske. Und so erlebt Rahel die derzeitige Situation:

Rahel Moisisa: „The impacts of covid 19 felt by most of parents of the students almost immediately. They are telling us that starting from the school closure, it leads to a decline in food intake of their children as most of them rely on the schools bread, banana and milk at least for breakfast. Now they have to stay at home, their need increased but they cannot even get enough food during the day. Those who work privately stopped working even those who are working in organizations as guard or cleaner are getting only half of what they were getting before which is not enough for their daily expenses. We observe that not only the poorest of the poor of our students but also the working poor which we know them as hard workers.

We are supporting financially those who are in very serious economic problem including parents who are in problem only related with the covid 19 impacts. We could also observe how they are suffering through their emotional reaction. when we give them the money, some of them cry so much, some of them kneel down on the floor thanking God for giving them hope and giving them food for their children, there are also parents who call and tell us that they saw the work of God through German church school. In addition to financial support we are also giving them psychological support. Because they don’t have any other choice we suggest to continue the financial support to them.“

Rahel Moisisa (Übertragung von Barbara Reske): Die Wucht von COVID 19 prallte unvermittelt auf die meisten Familien unserer Schüler ein. Die Familien erzählen uns, dass ihre Kinder unmittelbar, seit der Schulschließung tagtäglich weniger zum Essen haben. Jetzt sind alle Kinder daheim und erhalten nicht mehr das tägliche Brötchen (Anmerkung d. Übersetzerin: auf Amharisch das Ambasha), die Banane und Milch, die sie sonst während der großen Pause in der GCS bekommen. Die Not der Kinder wird immer größer, aber es gibt für sie nun noch nicht einmal mehr jeden Tag genug zu essen. Diejenigen Eltern, die als Tagelöhner arbeiten oder einen privaten Arbeitgeber haben, haben keine Arbeit mehr und selbst diejenigen, die bei Organisationen als Wächter, Wärter oder Reinigungspersonal angestellt sind, bekommen nur noch die Hälfte Lohn im Vergleich zu dem, was sie vor Beginn der Pandemie erhalten haben, was hinten und vorne nicht einmal für die absolut notwendigen täglichen Ausgaben reicht. Wir haben bemerkt, dass nicht nur die Ärmsten der Armen, sondern auch die arbeitenden Armen, die etwas Geld verdienen, und wir kennen sie als hart arbeitende Menschen, jetzt leiden.

Wir unterstützen diejenigen finanziell, die in einer sehr ernsten wirtschaftlichen Notlage sind. Dabei sind auch Eltern, die erst jetzt durch COVID 19 in diese Situation gekommen sind. Wir haben durch ihre emotionale Reaktion bemerkt, wie stark sie leiden. Wenn wir ihnen Geld geben, werden einige von ihnen von Weinkrämpfen geschüttelt, einige knien nieder und danken Gott dafür, dass er ihnen Hoffnung gibt und für ihre Kinder etwas zum Essen. Es gibt auch Eltern, die uns kontaktieren und uns wissen lassen, dass sie das Handeln Gottes in der Arbeit der German Church School erkennen. Wir geben den Eltern auch psychologische Untertützung. Da diese Eltern wirklich keinen Ausweg haben, da sie buchstäblich nichts sonst haben, empfehlen wir dringend, sie auch weiterhin finanziell zu unterstützen.


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Sirak Misiker, 20 Jahre, hat 2019 sein äthiopisches Abitur gemacht und studiert nun im ersten Jahr an der Woldiya University in Dessie im Norden von Äthiopien. Nach der coronabedingten Universitätsschließung musste er zu seiner Familie nach Addis Abeba zurückkehren. Und so erlebt er die derzeitige Situation:

Melkam Edil (ME): What do you miss most, since school is closed?
Sirak: Since I’m a university student it was my first time to go out of family control and to stand by myself, experiencing a new life, environment and living on my own with new people who are from different parts of the country but it didn’t last long. We were only notified our department selections but we hadn’t started the courses.

ME: Do you miss school? Why/Why not?
Sirak: Honestly speaking I do not miss school because the place where I was assigned was not a comfortable area. It is in Dessie which is 401 kms away from Addis Ababa. And being a newly launched campus, Woldiya University (in the Northern part of Ethiopia) facilities were not accessible to the students, food services were in the worst quality and additionally there were political unrest and disturbance in the university which targeted some Ethnic members and class was ceased for some time.

ME: How do you spend your daytime that you usually spend in school?
Sirak: I do spend my time with drawing pictures, reading historical books and watching movies. The university hasn’t started online classes yet so I do spend my time doing those things.

ME: Do you successfully learn on your own? Do you enjoy learning or reading on your own or with your families?
Sirak: At the university I do usually study alone but sometimes when there are difficult topics I will gather up with my friends to study and discuss together.

Melkam Edil (ME): Was fehlt Dir seit der Schulschließung am meisten?
Sirak: Es war für mich das erste Mal, dass ich seit Studienbeginn alleine auf mich gestellt war, auch ohne die Kontrolle durch meine Familie. So habe ich eine ganz neue Seite des Lebens erfahren dürfen, ich lebte mit mir bis dahin völlig unbekannten Menschen aus ganz unterschiedlichen Teilen des Landes zusammen. Aber dieser neue Zeitabschnitt hat nicht sehr lange gedauert. Im Prinzip haben wir nur die Zuteilung zu den Kursen in unserer Fakultät erfahren, aber Kurse hatten dann, als die Universitäten schließen mussten, noch nicht einmal begonnen.

ME: Vermisst Du die Universität? Ja? / Nein? / Warum ist das so?
Sirak: Ehrlich gesagt, vermisse ich die Uni nicht, denn die Uni, der ich zugewiesen worden bin, ist keine sehr schöne Uni. Sie ist in Dessie, 401 Kilometer weg von Addis Abeba. Da dies ein ganz neuer Campus ist, konnten die Studenten die Einrichtungen der Woldiya Universität (im Norden Äthiopiens) nicht nutzen. Das Essen dort war so schrecklich, wie man es sich gar nicht vorstellen kann. Außerdem gab es politische Unruhen und Störungen auf dem Unigelände, die auf einige Ethnien abzielten und Lehre fand für eine gewisse Zeit gar nicht statt.

ME: Was machst Du nun stattdessen?
Sirak: Ich male Bilder, lese Geschichtsbücher und schaue Filme. Die Universität hat noch keine online Kurse eingestellt, daher ist das so.

ME: Kannst Du gut alleine lernen? Machst Du das gerne? Welchen Erfolg hast Du damit? Ist es für Dich besser, das alles alleine zu machen oder zusammen mit Deiner Familie?
Sirak: An der Uni arbeite ich alleine, aber wenn es um schwierige Fragestellungen geht, kontaktiere ich Kommilitonen, um gemeinsam diese Fragestellungen durchzugehen und zu diskutieren.


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